Unser Fakten-Check zur Windkraft

Mythen rund um Windenergie

Die jüngsten Berechnungen des IPCC haben gezeigt, dass ein schrittweiser Umstieg auf andere Energiequellen notwendig ist. Klimafreundlich und nachhaltig sollen sie sein, nachwachsend und ungefährlich. Da die Bundesregierung 2011 den Atomausstieg beschlossen hat, verbleiben nur noch Erneuerbare Energieträger als eine tragende Säule der CO2-freien Energieversorgung.

Wie funktioniert Windkraft überhaupt?

Ein Windrad arbeitet wie der Dynamo am Fahrrad: Der Wind dreht die Rotorblätter, wodurch ein Generator im Inneren des Windrades angetrieben wird. Der sorgt dafür, dass aus der Bewegungsenergie elektrische Energie wird, die wir nutzen können. Wie viel Strom ein Windrad produziert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Als erstes natürlich vom Wind.
Ab einer Windgeschwindigkeit von ca. 3 m/s kann ein Windrad Strom erzeugen. Und je höher die Windgeschwindigkeit, desto produktiver ist das Rad. Verdoppelt sich die Windgeschwindigkeit, kann das Windrad achtmal mehr Energie produzieren. Das passiert, weil unter Einbeziehung des spezifischen Wirkungsgrads der Turbine und anderen Faktoren wie der Dichte der Luft, die Leistung mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit zunimmt. 

Klar spielt auch die Bauart des Windrades eine Rolle. Je größer die Rotoren und je höher ein Windrad steht, desto mehr Strom wird normalerweise erzeugt. 

Aber mit jedem Windrad tauchen Fragen auf: Sind die Windparks überhaupt nachhaltig? Schaden sie Mensch und Tier vielleicht sogar? Was machen sie mit den Immobilienpreisen? Kann ich mich dagegen wehren, dass in meiner Gegend Windparks gebaut werden sollen? Reicht der Strom, den Windparks erzeugen, aus, damit in Deutschland nicht die Lichter ausgehen? 

Entsprechend ranken sich einige Mythen um Windenergie. Wir wollen mit den größten Mythen aufräumen und die dringendsten Fragen beantworten. 

Mythos 1: Windräder sind nicht wirtschaftlich
Mythos 2: Windräder sind energetisch nicht nachhaltig
Mythos 3: Erneuerbaren Energien decken den Strombedarf nicht
Mythos 4: Windräder zerstören die Umwelt, weil für sie Bäume gerodet werden
Mythos 5: Für Windräder braucht man Seltene Erden. Deren Abbau zerstört die Natur
Mythos 6: Durch Windräder sterben Vögel
Mythos 7: Windräder machen krank
Mythos 8: Windräder verursachen gefährlichen Infraschall
Mythos 9: Ein Windpark in der Nähe ruiniert den Wert meines Hauses
Mythos 10: Es werden immer mehr Windräder gebaut
Mythos 11: Der Bürger wird gar nicht gefragt, ob er ein Windrad will
Mythos 12: Windräder nerven durch Schattenwurf 

Windkraft ist ineffizient

Die größten Mythen rund um Windenergie: Windkraft und ihre Kosten

 
Windräder sind nicht wirtschaftlich

Wir glauben, Strom aus der Winderzeugung hat viele Vorteile – zum Beispiel umweltpolitische. Dennoch darf der Strom aus Windkraft nicht zu teuer sein, und muss ohne viel Förderung auskommen. Dabei sind wir auf einem sehr guten Weg.

Der Staat führt regelmäßig Ausschreibungen durch und schreibt eine fixe Menge an Leistung aus (Energie, die Windparks produzieren können). Nur die wirtschaftlichsten Windparkbetreiber erhalten einen Zuschlag, der Rest darf seine Projekte nicht realisieren. Das senkt die Kosten. Aktuell nur noch knapp über dem Preis, der für Strom an der Strombörse gezahlt wird. Einige Offshore-Windparks verzichten sogar schon auf Förderung. 

Windräder werden weltweit gebaut, dabei lernen die Hersteller und wir ständig neue Dinge hinzu. Diese berücksichtigen wir bei der Entwicklung neuer Windparks. Auch das senkt die Kosten. Prognosen gehen davon aus, dass die Preise für konventionellen Strom weiter steigen. Denn durch den Atomausstieg sinkt die Zahl der Kraftwerke, die Energie erzeugen. Das treibt den Preis. 

Grundsätzlich werden Erneuerbare Energieträger mit steigenden Kosten für CO2 immer wirtschaftlicher gegenüber Erzeugungstechnologien, die mit CO2-Emissionen verbunden sind. Denn CO2-Emissionen werden zunehmend teuer.  Wer mehr zum CO2-Emmissonshandel wissen möchte, findet hier mehr Informationen. 

 
Windräder sind energetisch nicht nachhaltig

Oft wird behauptet, ein Windrad erzeugt weniger Energie, als bei seiner Herstellung verwendet wird. Das ist falsch. Insgesamt produziert ein Windrad mit einer Turbine mit zwei Megawatt Leistung in zwanzig Jahren genug Energie, um rund vierzig weitere Windräder zu bauen. Bei Offshore Windrädern ist die Zeit noch kürzer. Warum? Hier weht der Wind stärker und konstanter. Daher sagen wir mit Überzeugung, Windräder sind nachhaltig! 


Nur mit Erneuerbaren Energien alleine geht uns doch das Licht aus!

Schon heute bestehen 38 Prozent des deutschen Strom-Mix aus erneuerbaren Energien und trotzdem gab es keine Blackouts. Stromausfälle hat es natürlich gegeben – 2017 war im Schnitt 15 Minuten lang der Saft weg. Aber das lag nicht an Windflauten, sondern an klassischen Störungen, z.B. durch Erd- und Baggerarbeiten. 

Klar, der Wind weht keine 24 Stunden am Tag und nicht in allen Regionen gleich stark und auch die Sonne scheint in Deutschland leider nicht jeden Tag. Bei einem weiteren Ausbau der Erneuerbaren werden daher auch weiterhin konventionelle Kraftwerke als Reservekraftwerke benötigt, die einspringen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. 

Sie werden durch den Ausbau der Erneuerbaren zunehmend weniger Energie produzieren, dadurch wird CO2 sowie Kohle und Gas eingespart. Um irgendwann einmal komplett CO2-neutral zu sein, müssen auch diese Reservekraftwerke klimaneutral werden. Dies kann insbesondere durch den Einsatz von synthetischem Methan aus erneuerbarer Energie realisiert werden. Dafür wird Strom in speicherbares Gas umgewandelt. 

An Technologien wie diesen forscht innogy, z.B. im Projekt DESIGNNETZ. Auch in Sachen Netzstabilität oder Batteriespeichern forschen wir. 

2017 baute innogy mit Partnern Windparks mit einer Gesamtkapazität von 870 MW, womit mehr als 2000 Fußballspiele unter Flutlicht ausgetragen werden können.

Windkraft schadet der Umwelt

Die größten Mythen rund um Windenergie: Windkraft und unsere Umwelt


Windräder zerstören die Umwelt, weil für sie Bäume gerodet werden

Wo ein Windrad aufgestellt wird, passiert etwas mit der Umwelt. Das ist richtig. In seltenen Fällen müssen dafür Bäume gerodet werden. Auch das ist richtig. Windenergie hat allerdings von allen erneuerbaren Energien den geringsten Flächenbedarf. Außerdem braucht sie keine Flächen für den Abbau von Rohstoffen oder den Anbau von Bioenergiepflanzen. Gemeinsam mit den Naturschutzbehörden werden sogenannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen umgesetzt: Pro Windrad, das aufgestellt wird, werden Ersatzflächen geschaffen, die beispielsweise Populationen bestimmter Arten stärken oder deren Lebensräume verbessern.

Vor dem Rückbau muss auch niemand Angst haben, dieser geschieht mit vergleichsweise geringem Aufwand. Was alles zurückgebaut werden muss, wird vorher genau schriftlich festgehalten.


Für Windräder braucht man Seltene Erden. Deren Abbau zerstört die Natur

Laptops, Handys, Autos, Flugzeuge und auch viele Windturbinen funktionieren nur dank der sogenannten Seltenen Erden. Im Fall der Windräder handelt es sich um Neodym, aus dem die Magnete für Turbinen hergestellt werden. Weltweit größter Produzent dieser Metalle ist China. Wir kennen oft nicht genau die Bedingungen, unter denen die Rohstoffe abgebaut werden. Darum, aber auch weil Neodym extrem teuer ist, machen sich immer mehr Unternehmen, Autobauer genauso wie Turbinenhersteller, auf die Suche nach Alternativen. Seltene Erden sollen nur eine Übergangslösung sein. Schon jetzt kommen in Windanlagen wahlweise gar keine Magnete mit Neodym mehr zum Einsatz oder der Anteil an Seltenen Erden wurde stark reduziert.


Durch Windräder sterben Vögel

Für Vögel sind Windkraftanlagen leider gefährlich. Das lässt sich nicht beschönigen. Man geht aktuell davon aus, dass in Deutschland pro Jahr ca. 100.000 Vögel durch Windturbinen getötet werden. Der Naturschutzbund NABU geht allerdings davon aus, dass andere Gebäude für Vögel eine viel größere Bedrohung darstellen. Laut Berechnungen des NABU sterben jedes Jahr 100 Millionen Vögel, weil sie mit Glasscheiben kollidieren. Der WWF geht von 90.000.000 toten Vögeln durch den sogenannten Glasschlag aus. Das macht die Zahl der Vögel, die von Turbinen getötet werden, nicht besser, setzt sie aber in Relation.

Windräder schaden dem Menschen

Die größten Mythen rund um Windenergie: Windkraft und der Mensch


Windräder machen krank

Windanlagen machen Geräusche. Und zwar in einer Lautstärke von 40 Dezibel (nachts) bis 55 Dezibel (tagsüber). Zum Vergleich: Flüstern hat 30 Dezibel (dB), ein Fön schon mal 70 Dezibel und eine Kreissäge schafft 100 dB. Diese Geräusche schwächen sich mit jedem Meter Entfernung ab. Also schneiden die Turbinen eigentlich ganz gut ab. 

Allerdings können schon ab einem Pegel von 25 dB Geräusche zu Konzentrations- oder Schlafstörungen führen. Und wir wissen auch, dass der Wind das ein oder andere Geräusch weiter trägt, als wir wollen. Deshalb gibt es Richtlinien für die Lautstärke von Windkraftanlagen, die unsere Anlagen natürlich erfüllen. Wir halten Mindestabstände ein, und schalten auch schon mal situationsbedingt aus – damit Sie Ruhe haben.


Windräder verursachen zusätzlich gefährlichen Infraschall

Windräder verursachen Infraschall. Das ist korrekt. Infraschall nennt man tieffrequente Geräusche, die der Mensch zwar nicht hören kann, die sich aber theoretisch auf ihn auswirken könnten. Nach heutigem Stand der Wissenschaft sind schädliche Wirkungen durch Infraschall aber nicht zu erwarten. 

In 200 Metern Distanz vom Windrad ist der Infraschall einer Anlage vergleichbar mit dem eines Gespräches in „Zimmerlautstärke“. Wer 600 Meter vom Windrad entfernt steht, hört und spürt davon genauso viel, wie vom Wind, der die Turbine antreibt.  

Auch Langzeitstudien der Landesämter für Umwelt in Bayern und Baden Württemberg belegen, dass keine gesundheitlichen Belastungen zu befürchten sind. 


Ein Windpark in der Nähe ruiniert den Wert meines Hauses

Ob das eigene Häuschen durch den Windpark nebenan an Wert verliert, lässt sich nicht pauschal sagen. An manchen Orten gehen die Immobilienpreise vorübergehend zurück, wenn Windparks gebaut werden. Das passiert aber auch, wenn irgendwo eine Straße, ein Kindergarten, ein Altenheim oder ein Krankenhaus gebaut wird. Ein dauerhafter Wertverlust durch Windräder lässt sich jedenfalls nicht nachweisen. Zumal das Baurecht auch signifikante Abstände zwischen Windrädern und Bebauungen vorschreiben. Hieran halten wir uns – ohne Ausnahme.

Der Bürger ist wehrlos

Die größten Mythen rund um Windenergie: Ist der Bürger wirklich wehrlos?


Es werden immer mehr Windräder gebaut

93 Prozent  der deutschen Bürger befürworten die Energiewende und den Ausbau Erneuerbarer Energien. Wo die Windräder dann stehen sollen, darüber gibt es jedoch Diskussionen. Angst vor einer Windrad-Flut brauchen Bürgerinnen und Bürger aber nicht haben. In Deutschland kommen maximal zwei Prozent der Gesamtfläche als Standorte in Frage.

Um eine Windanlage aufzustellen, müssen nämlich jede Menge Regeln eingehalten werden: Die Flächen müssen zunächst vom Land als Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen werden. Dann müssen sie weit genug weg sein von Wohngebieten, Straßen. Gewässern, Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Auch zu Militärbasen, Flughäfen oder denkmalgeschützten Bauwerken müssen die Abstände stimmen. Und natürlich sollte die Region nicht windstill sein. 

Für eine CO2-freie Zukunft, muss Windkraft aber ihren Platz haben. Das muss jedem klar sein. 


Der Bürger wird gar nicht gefragt, ob er ein Windrad will

Ein klares Doch. Bis ein Windrad aufgestellt werden darf, müssen zwischen 20 und 40 Behörden ihr Okay geben. Von der Bundeswehr über die Kitaleitung bis zum Bauamt und dem Luftfahrtbundesamt. Und weil weder die Windanlagenbauer noch die Gemeinden oder die Flächenbesitzer Lust auf Konflikte haben, werden die Menschen vor Ort schon lange vor der konkreten Planung eines Windparks mit in die Regionalplanung einbezogen.


Windräder nerven durch Schattenwurf

Viele befürchten, dass ihnen Windräder die Sonne stehlen könnte. Klar: Wenn Sonne auf die Rotoren scheint, entsteht ein ziemlich großer Schatten. Der sogenannte Schattenwurf wird deshalb bereits im Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Die Anlagen müssen so gebaut werden, dass kein Wohnhaus länger als 30 Minuten pro Tag im Schatten eines Rotor steht.  

Viele unserer Instagram Nutzer finden unsere Windkraftanlagen übrigens besonders schön. Für diese erhalten wir die meisten Likes. Können wir nachvollziehen.

Windenergie

Warum wir mehr Windenergie brauchen