Regionale Steuerung von Erneuerbaren- und Netzausbau kann Verbraucher entlasten

Erneuerbare und Netze gemeinsam denken und lenken!

Erneuerbare Energien und Stromnetze – der Ausbau beider muss Hand in Hand gehen, soll die Energiewende gelingen. Heute aber erfolgt beides noch wenig abgestimmt. Die Netzbetreiber müssen jede weitere Erneuerbare-Energien-Anlage an ihre Netze anschließen – egal wo. Der Betreiber der Anlage aber bezieht die dafür anfallenden Netzausbaukosten meist nicht ins Kalkül seiner Standortwahl ein. Die Gesamtkosten aus Erzeugungsanlage und Netzausbau steigen für die Volkswirtschaft unnötig an – vor allem zulasten des Verbrauchers. Er muss sie in Form erhöhter Netzentgelte tragen. Wie aber soll eine regionale Steuerung des Ausbaus von Erneuerbaren und Netzen erfolgen? Eine neue Untersuchung hierzu zeigt, dass bis zu eine Milliarde Euro jährlich gespart werden könnte.

 

Insbesondere auf Ebene der Verteilnetze, wo mehr als 90 Prozent aller Anlagen angeschlossen sind, besteht Handlungsbedarf. Deshalb untersucht etwa ein Expertenkreis, bestehend aus Vertretern einiger Verteilnetzbetreiber, aktuell mögliche Mittel einer regionalen Steuerung im Verteilnetz. Ziel ist es, Instrumente für die Lenkung des Ausbaus erneuerbarer Energien bei Ausschreibungen, insbesondere Onshore-Windenergie und PV, unter Einbezug der Netze zu analysieren und weiterzuentwickeln.  Die Institute E-Bridge und IAEW haben unabhängig hiervon im Auftrag von innogy eine Studie zur regionalen Steuerung von Erneuerbaren- und Netzausbau erstellt. Der Fokus liegt dabei auf Instrumenten für das Verteilnetz, begleitet von Untersuchungen für das Übertragungsnetz. 

Instrumente im Verteilnetz – mögliche Mittel der Wahl

Für das Verteilnetz betrachtet die Studie drei Alternativen: einen Baukostenzuschuss, eine modifizierte Verteilernetzkomponente und ein Bonus-/Malussystem. Sie könnten die heutigen unzureichenden Steuerungsmittel bei Ausschreibungen für Erneuerbare ersetzen. Alle drei untersuchten Instrumente verfolgen das Ziel, die Auslastung der Netze bei einer Standortentscheidung für eine Erneuerbare-Energien-Anlage zu berücksichtigen – so lässt sich der Ausbau der Erneuerbaren und Netze optimieren. Allerdings nur, wenn die Preissignale möglichst frühzeitig festgelegt und veröffentlicht vorliegen.

Dabei unterscheiden sich die Instrumente in ihrer Ausgestaltung. Der Baukostenzuschuss versucht, die Kosten des Netzausbaus zu berücksichtigen: Er kommt – zulasten des Anlagen- und zugunsten des Netzbetreibers – dann zum Tragen, wenn der Anschluss der Anlage den Ausbau nötig macht. 

Bei der (modifizierten) Verteilernetzkomponente werden Gebiete identifiziert, in denen ein Zubau von erneuerbaren Energien den Netzausbau auslösen könnte. Diese Gebiete werden dann mit einer Preiskomponente belegt. Das Bonus-/Malussystem schließlich verbindet hierfür beides – Kosten eines netzseitig ungünstigen Standortes UND Nutzen eines günstigen.

Beim Design der Instrumente ist zudem zwischen zahlungswirksamer und fiktiver Ausgestaltung zu unterscheiden. Letztere wirkt sich nur auf die Reihenfolge und damit die Erfolgsaussichten der Gebote bei der Ausschreibung von Erneuerbaren aus. Die fiktive Berücksichtigung der Netzkosten hat zwar Einfluss darauf, welche Standorte für Erneuerbare-Energien-Anlagen eher den Zuschlag erhalten, nicht jedoch auf die tatsächliche Verteilung der Netzkosten. Zahlungswirksamkeit hingegen ermöglicht es, die Kosten beim jeweiligen Investor abzurechnen. Die Umsetzung der Zahlungswirksamkeit erfordert jedoch tiefgreifende regulatorische Änderungen.

Vom Ansatz her erweist sich laut Studie der Baukostenzuschuss als ein sehr wirksames Mittel, weil sich der Investor durch die Zahlung eines Beitrags an möglichen Netzverstärkungen beteiligt. Allerdings ist der Baukostenzuschuss in seiner Umsetzung deutlich schwieriger und sehr aufwendig. Die modifizierte Verteilernetzkomponente und das Bonus-/Malussystem sind Alternativen, die allerdings die Kosten bzw. den Nutzen lediglich annähern. Sie zielen dabei auf die tatsächliche Auslastung in einem Netzgebiet ab. 

Unterm Strich – Einsparungen von bis zu einer Milliarde pro Jahr

Zur Bestimmung des Netzausbaubedarfs im deutschen Verteilnetz werden in der Studie zwei reale, aber anonymisierte Netzgebiete betrachtet: eine lastgeprägte (mit viel Industrie) und eine einspeisungsgeprägte (mit vielen Windparks) Verteilnetzmodellregion. Bei den quantitativen Untersuchungen für das Verteilnetz erweisen sich die modifizierte Verteilernetzkomponente und der Baukostenzuschuss als geeignete Instrumente. Die Hochrechnung der Ergebnisse auf das gesamte Bundesgebiet zeigt bei Anwendung von Baukostenzuschuss oder modifizierter Verteilernetzkomponente jeweils eine Gesamtkosteneinsparung von bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr.

Mögliche jährliche Gesamtkosteneinsparung im Verteilnetz in Deutschland.

 
Die Ausschreibungsrunden für Erneuerbare, insbesondere im Bereich Onshore-Wind, haben aktuell ein mangelndes Angebot an Projekten gezeigt. Die Dringlichkeit einer regionalen Steuerung des Erneuerbaren- und Netzausbaus tritt dadurch allerdings nur scheinbar in den Hintergrund. Politik und Regulatoren sind gut beraten, eine Verbesserung der regionalen Steuerungsinstrumente zeitnah umzusetzen – denn nur so lässt sich ein kostengünstiger Ausbau von Erneuerbaren und Netzen mittel- bis langfristig sicherstellen.

Übrigens: Für das Übertragungsnetz wird derzeit eine „Südquote“ oder ein „Südbonus“ diskutiert, um mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen in den Süden zu locken. Untersuchungen der Monopolkommission zu einer netzseitig günstigeren und dafür ertragsärmeren Ansiedlung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen ergaben 2017, dass solche Standorte den Leitungsausbau im Übertragungsnetz halbieren und 2,7 Milliarden Euro einsparen könnten. Auch der Bundesrechnungshof hat dem Bundeswirtschaftsministerium jüngst empfohlen, die Erzeuger von erneuerbarem Strom an den Kosten des Übertragungsnetzausbaus zu beteiligen. Für diese Netzebene von Hoch- und Höchstspannungsleitungen untersucht die Studie von E-Bridge und IAEW eine Quote, einen Baukostenzuschuss und ein Bonus-/Malussystem. Im Vergleich ist die Quote zwar am einfachsten umzusetzen, ein eindeutig positives Ergebnis liefert jedoch keines der Instrumente im Übertragungsnetz.

Fazit

Heute fehlen geeignete Instrumente zur regionalen Steuerung von Erneuerbaren- und Netzausbau. Der mangelnde Einbezug der Netzbelastung bei der Standortwahl von Erneuerbaren-Energien-Anlagen führt daher zu höheren volkswirtschaftlichen Kosten.

  • Die Empfehlung der Studie lautet, als Instrument für das Verteilnetz entweder eine modifizierte Verteilernetzkomponente oder einen Baukostenzuschuss einzuführen.

  • Für alle Instrumente gilt, dass ihr jeweiliger finanzieller Wert aus Gründen der Planungssicherheit für den Investor in Erneuerbare-Energien-Anlagen möglichst frühzeitig festgelegt und veröffentlicht werden muss. Auch darf sich dieser Wert nach dem Zuschlag für den Investor nicht mehr ändern.

  • Vor dem Hintergrund der Studienergebnisse spricht sich innogy dafür aus, die Instrumente zur besseren regionalen Steuerung des Erneuerbaren-Ausbaus im Verteilnetz weiterentwickeln.

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