Cleveres Zusammenspiel für den Klimaschutz

Strom, Wärme und Verkehr – drei Sektoren für die Energiewende

Strom, Wärme und Verkehr – drei Sektoren für die Energiewende
Strom, Wärme und Verkehr – drei Sektoren für die Energiewende

Schutz für unser Klima ist das zentrale energiepolitische Ziel. Dafür will die Politik den Einsatz fossiler Brennstoffe stetig reduzieren. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist in den letzten Jahren erfolgreich vorangetrieben worden. Aber damit die Energiewende gelingt, kommt es darauf an, die Bereiche Verkehr, Wärme und Strom intelligent zu verknüpfen. Sektorenkopplung ist jetzt angesagt. Aber was hat es damit wirklich auf sich?

Interview mit Volker Stehmann, Corporate Affairs, Head of Markets & Renewables bei innogy

1. Klingt kompliziert, ist es aber vielleicht gar nicht: Was bedeutet Sektorenkopplung?

Die Idee dahinter ist einfach erklärt: Die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr sind energiewirtschaftlich nicht mehr getrennt, sondern spielen sinnvoll zusammen. Aber der Teufel steckt wie immer im Detail: Während Strom zunehmend durch erneuerbare Energien erzeugt wird, spielen in der Wärme und im Verkehr weiterhin Öl und Gas die Hauptrolle. Das passt noch nicht zusammen – und wird sich durch Sektorenkopplung ändern.

Kreisdiagramm: Energiebedingte Treibhausgasemissionen 2014. Quelle: BDEW.

2. Welche Rolle spielt Sektorenkopplung für die Energiewende?

Einer der Haupttreiber der Energiewende lautet Dekarbonisierung. Und klar ist: Um die Klimaziele in Deutschland zu erreichen, müssen Wärmeerzeugung und Verkehr ebenfalls verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, denn rund 60 Prozent der Treibhausgasemissionen stammen in Deutschland aus anderen Sektoren als der Stromerzeugung.

Eine Möglichkeit dazu ist, Strom in die Heizungen und in die Autos zu kriegen: „Power to X“ lautet die Zauberformel - wobei X für Wärme, Gas oder auch einen anderen synthetischen Kraftstoff stehen kann.

Darüber hinaus muss das Energiesystem flexibler werden: Wie viel erneuerbarer Strom produziert wird, hängt auch vom Wetter ab. Es wird also mal sehr viel und auch mal recht wenig erzeugt. Variabler beziehungsweise steuerbarer Stromverbrauch im Wärme- oder Verkehrsbereich kann hier für Ausgleich sorgen.

Der energiepolitische Kompass: Das innogy-Logo bildet eine Kompassnadel.

3. ... und was bedeutet sie im Besonderen für innogy?

Wir haben bei innogy einen umfassenden Dialog gestartet, den wir „energiepolitischen Kompass“ getauft haben. Er dient uns als Richtschnur für unsere politische und energiewirtschaftliche Positionierung. Eine wichtige Erkenntnis in diesem Prozess war: Sektorenkopplung ist so etwas wie die inhaltliche Klammer für all unsere Themen. Ob erneuerbare Energien, Erdgas, Kraft-Wärme-Kopplung, Verteilnetze oder auch die großen Zukunftsthemen Digitalisierung und Dezentralisierung – letztlich zahlt die Sektorenkopplung auf alles ein.

4. Können Sie Beispiele nennen?

Sektorenkopplung betrifft einerseits klassische Geschäftsbereiche wie den Stromverkauf. Denn mehr Strom im System bedeutet mehr Umsatz, insbesondere wenn dieser Strom Heizöl ersetzt. Sie schafft aber auch weitere Wachstumsfelder: Neue Anwendungen ermöglichen neue Produktpakete und Services. Exemplarisch seien hier Elektromobilität oder unserer Aktivitäten bei Urban Solutions genannt.

Außerdem würde der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt – davon würden wir als Betreiber von Wind- und PV-Anlagen profitieren. Und nicht zuletzt könnten wir die Energiewende auch über unsere Netze zu den Kunden bringen. Ob in Form von erneuerbarem Strom direkt oder zum Beispiel auch als „grünes“ Gas. Die Sektorenkopplung findet vor allem in der Fläche statt, die Verteilnetze spielen hier eine besondere Rolle.

5. Sektorenkopplung, schön und gut. Aber ist das Ganze mehr Zukunftsmusik oder Wirklichkeit? 

Auch wenn es erste Anwendungsfälle gibt – der Weg ist noch weit. Ob Power-to-Gas, Wärmepumpe oder Elektromobilität: An der Wirtschaftlichkeit und den Infrastrukturen müssen wir noch arbeiten. Klar ist aber, mit Blick auf die Klimaziele 2050 müssen wir heute die Weichen für einen Systemwechsel stellen. Daran beteiligen wir uns aktiv.

6. Was heißt das konkret?

Als innogy setzen wir uns unter anderem dafür ein, dass Strom gegenüber anderen Energieträgern nicht schlechter gestellt wird: Im Vergleich zum Heizöl beispielsweise zahlt der Verbraucher auf Strom deutlich höhere Steuern und Abgaben. Das läuft den energiepolitischen Zielen zuwider.

7. Peter Terium hat die Bedeutung des Sharing-Gedankens für die Sektorenkopplung hervorgehoben. Was verbindet diese beiden Trends?

Energiewirtschaft ändert sich. Sie wird komplexer, interaktiver, auch vielseitiger. Mit Strom kann ich nicht nur die Kaffeemaschine anschalten, sondern auch mein Haus heizen, einen Speicher im Keller füllen und mein Auto betanken. Auf der anderen Seite werden die nächsten Generationen wahrscheinlich weniger Wert darauf legen, ein eigenes Auto zu besitzen. Oder man teilt nicht nur sein Auto, sondern auch den selbst erzeugten Strom. Zum Beispiel, indem man seine Ladebox zu Hause inklusive Parkplatz an Dritte vermietet – wie es das Start-up Share&Charge vormacht. 

Sharing will durch Teilen den gemeinsamen Nutzen optimieren und dabei wertvolle Ressourcen sparen: Dazu kann Sektorenkopplung einen Beitrag leisten.

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