Es dreht sich – rasant vorwärts

Wie innogy die Energiewende vorantreibt

Jede Bewegung der Windräder wird überwacht, ausgewertet und zur Optimierung genutzt: Windpark Königshovener Höhe bei Garzweiler

Big Data ist ein Topthema – und bei innogy ist das Erfassen, Aufbereiten und Analysieren gigantischer Datenmengen heute schon Alltag. Dr.-Ing. Kirsten Theobald, Expertin für regenerative Energien, über das „Condition Monitoring System“, die intelligente Vernetzung und Digitalisierung von Windparks sowie den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Wenn Kirsten Theobald spricht, dann sollte man konzentriert zuhören. Die Expertin für Onshore-Windanlagen, Wasserkraftwerke und Biogas-Anlagen spricht nicht nur schnell und formuliert präzise, wenn es um Energiewende, Dekarbonisierung und Erneuerbare Energien geht. Sie spricht zudem jeden ihrer Sätze aus ganzem Herzen und mit voller Überzeugung: „Jeder, der etwas Anstand im Leib hat und Hirn zwischen den Ohren, der müsste eigentlich zu der Schlussfolgerung kommen: Auf lange Sicht geht es nur mit regenerativen Energien.“

Kirsten Theobald sagt diesen inhaltlich für einige sicher unbequemen Satz im Schatten der großen Kühltürme des Kraftwerks Neurath. Die Region rund um den Tagebau Garzweiler – eine halbe Autostunde nordwestlich von Köln – hat Symbolkraft, weil hier die konventionelle und die neue Energiewelt eng nebeneinander stehen. Insgesamt vier Braunkohle-Kraftwerke von RWE Generation stehen hier in Sichtweise zu den rotierenden innogy Windrädern.

„Langfristig geht es nur mit regenerativen Energien.“

Die Anlagen im Windpark Königshovener Höhe erzeugen an diesem windigen Juni-Tag fleißig regenerative Energie. Auch über die gigantischen Windräder und ihre Entwicklung im letzten Jahrzehnt spricht Kirsten Theobald so schnell, als dürften wir bei den nächsten Schritten hin zu mehr Erneuerbaren Energien keine Zeit verlieren.

Eines der großen aktuellen Projekte für das Research & Development-Team bei innogy heißt „Condition Monitoring System“, kurz CMS. Was ist das? „Ziel ist es, die Windenergie-Technik intelligenter zu machen und auf noch sicherere Beine zu stellen“, sagt Kirsten Theobald, deren Aufgabe es ist, Forschungsprojekte und Innovationen bei innogy voranzutreiben, die die Kosten für Bau und Betrieb regenerativer Anlagen senken.

Das A und O des CMS sind eine Vielzahl an Sensoren, zum Beispiel am Antriebsstrang der Turbinen und in den Parks. Drücke, Temperaturen und Schwingungen werden gemessen, teilweise mehrfach pro Sekunde. „Wir erfassen gigantische Datenmengen, Big Data. Unsere Aufgabe ist es dann, diese Datenerfassung zu organisieren und dann zu analysieren, damit wir entsprechend handeln können“, erklärt Kirsten Theobald.

Kirsten Theobald skizziert zwei Szenarien, wie diese Daten genutzt werden können. Erstens: Im Alltag helfen sie den Windpark-Managern bei der Steuerung der Anlagen. „Von unserem Kontrollraum in Hannover aus werden alle Onshore-Windparks permanent überwacht. Laufen die Anlagen? Gibt es einen Ausfall? Welche Anforderungen stellt der Netzbetreiber?“

„Wir erfassen gigantische Datenmengen, Big Data. Unsere Aufgabe ist es dann, diese Datenerfassung zu organisieren und dann zu analysieren, damit wir entsprechend handeln können“, erklärt Kirsten Theobald.

Das zweite Szenario ist für die Entwicklungsingenieure bei innogy Research & Development aber deutlich spannender: Langfristig sollen die Daten helfen, größere Fragen zur Optimierung der Anlagen, zur Effizienzsteigerung und zur Wartungsstrategie zu beantworten. Dafür versuchen Theobald und das R&D-Team, die richtigen Algorithmen zu entwickeln, die innerhalb dieses Datenberges die richtigen Antworten finden. „Muss ich zum Beispiel ein Lager tauschen, weil das in der Anleitung steht? Oder kann ich das noch drin lassen, weil es volkommen intakt ist“, erklärt die Ingenieurin eine der klassischen Wartungsfragen.

„Klingt einfach? Der Teufel liegt im Detail“, lacht Theobald. Denn ein „Rundum-sorglos-Paket“ aus dem Regal gibt es nicht, alles müsse individuell für die jeweilige Anwendung mit viel Fachexpertise entwickelt, konfiguriert und betrieben werden. Die Interpretation der Ergebnisse erfordert ein hohes Maß an programmiertechnischem Geschick.

Wofür sie und das Research & Development-Team gerne Überstunden machen? Da muss Kirsten Theobald nun doch kurz innehalten – nur um im Orkan-Tempo loszulegen: „Technikentwicklung ist ein Honigtopf. Windräder, deren Flügel ähnlich intelligent sind wie Tragflächen und die sich permanent an Windböen anpassen! Und natürlich wäre es toll, wenn nicht nur Windräder miteinander Daten tauschen, sondern.... am besten alle regenerativen Energieerzeuger und Speicher, die Netze und die Verbraucher überall in Europa.“

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