Grüner Strom von der Rolle

Flexible Solarfolien erobern neue Märkte

Solarfolienstück von Heliatek: Superleicht und weniger als einen Millimeter dünn

Heliatek macht auf Fassaden grünen Strom

Fenster sollen Licht einlassen, Fassaden bestimmen das Gesicht eines Gebäudes. Bei einem Blick in das Forschungslabor des Dresdner Unternehmens Heliatek wird schnell klar: Fenster, Fassade und Solarmodule können zusammen noch viel mehr. Nämlich weitere Funktionen wie Energiegewinnung, Klimatisierung oder Sonnenschutz übernehmen.

Das mehrfach ausgezeichnete Dresdner Start-up Heliatek entwickelt Solarfolien, die Fenster oder Fassaden zu Stromgeneratoren machen.

Die biegsamen organischen Solarfolien können flexibel eingesetzt werden – auf Beton, Stahl, Glas oder anderen Trägermaterialien.


Organische Solarfolie – leicht und flexibel

Das 2006 gegründete Unternehmen hat eine ultraleichte und nur einen Millimeter dünne organische Solarfolie entwickelt. Sie ist so biegsam, dass sie beispielsweise auch in die PVC-Membran einer Traglufthalle integriert werden kann. Die so gewonnene Energie kann dann beispielsweise direkt für die Beleuchtung und das Lüftungssystem des Gebäudes genutzt werden. Wie ein Berliner Pilotprojekt zeigt, wird gleichzeitig das Klima in der Halle verbessert, da die Raumwärme reduziert wird.

Thibaud Le Séguillon ist Geschäftsführer von Heliatek. Im Bereich der organischen Photovoltaik bringt er jetzt seine langjährige Erfahrung im Management von Hightech-Elektronikunternehmen ein.
Die Integration mit PVC Membranen ist die konsequente Fortführung der Vermarktungsstrategie von Heliatek, die weitere Anwendungsfelder besetzt, welche die klassische Solartechnologie nicht erreichen kann.
Thibaud Le Séguillon, CEO Heliatek

Die Solarfolie HeliaFilm® funktioniert auch bei schlechten Lichtverhältnissen und hohen Temperaturen effizient. Sie ist in verschiedenen Farben sowie transparent verfügbar.
Um mögliche Anwendungen in der Praxis zu testen, haben die Dresdner mit verschiedenen Industriepartnern Pilotprojekte umgesetzt.

Integration von HeliaFilm in die Betonfassade des Partnerunternehmens Reckli
Integration der Heliatek Solarfolie am Firmensitz von Reckli.

Ein gemeinsames Pilotprojekt mit dem Betonelementehersteller Reckli aus Herne veranschaulicht die Möglichkeiten der Energiegewinnung durch die Solarfolie: 2015 integrierte Heliatek sein Produkt in die Fassade des Reckli-Firmensitzes. Grundsätzlich bieten Fassaden mehr Fläche für die Erzeugung von Solarstrom als Dächer – dem bevorzugten Standort konventioneller Solartechnologie. Der Energieertrag wird zudem gleich genutzt. Mit dem Strom werden bei Reckli beispielsweise Gabelstapler aufgeladen.


Eine Folie - viele Möglichkeiten

Auf der Weltausstellung in Mailand im Mai 2015 stellte Heliatek mit seinem Partnerunternehmen AGC GLAS Europe eine solaraktive Fassade als Teil des belgischen Pavillons vor.

Die Solarfolie wurde dort in Verbundglas-Elemente integriert. Die Konstruktion zeigt außerdem, wie man Solarstrom und Fassadenverschattung effizient kombinieren kann.

Hans Bünting sieht großes Potential in der iinnovative Solartechnologie der Firma Heliatek
Die Folie hat bereits bewiesen, dass sie auf ganz unterschiedlichen Oberflächen aufgebracht und so beispielsweise in die Fassade von Hochhäusern oder auf Zelten angebracht werden kann. Das Material ist so leicht und flexibel, dass es irgendwann sogar auf Lastwagen und Autos kleben und sie mit Elektrizität versorgen könnte. Darin steckt ein riesiges Potential. Wir können unseren Kunden damit ganz neue Lösungen bieten.
Hans Bünting, COO Erneuerbare Energien bei innogy SE

innogy ist einer der ersten Investoren, die das junge Unternehmen mit Risikokapital ausstatteten.

innogy fördert junge, innovative Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien in ihrer Gründungs- oder Wachstumsphase mittels Venture Capital.

Umweltfreundliche Produktion

Das Bild zeigt die Heliatek-Produktionsanlage für die weltweit erste Fertigung der organischen Solarfolie im Rolle-zu-Rolle-Verfahren.
Die flexible Solarfolie von Heliatek wird im Rolle-zu-Rolle-Produktionsverfahren hergestellt.

Vielfältige Anwendungen möglich

Produziert wird die Folie derzeit in einer Pilotanlage. Im April 2016 gewann das Unternehmen mit Sitz in Dresden und Ulm den GreenTec Award in der Kategorie “Produktion”. Ausgezeichnet wurde Heliatek für sein innovatives Rolle-zu-Rolle-Produktionsverfahren. Pro Quadratmeter wird dabei nur ein Gramm Material benötigt. Zur Erzeugung der Folien werden zudem keinerlei toxische Stoffe eingesetzt und ausschließlich recycelbare Rohstoffe verwendet.

Die Solarfolie ist ein deutsches High-Tech Produkt. Es erschließt der solaren Energieerzeugung ganz neue Anwendungsfelder.
Die Solarfolie ist ein deutsches High-Tech Produkt. Es erschließt der solaren Energieerzeugung ganz neue Anwendungsfelder.
Dr. Frank Starrmann, CEO of Innogy Venture Capital

Herr Dr. Starrmann, Sie sind Geschäftsführer der Innogy Venture Capital. Ihr Unternehmen investiert Wagniskapital in junge, innovative Firmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien in ihrer Gründungs- oder Wachstumsphase. Unter anderem befindet sich das junge Unternehmen Heliatek in Ihrem Portfolio.

Worin besteht für Sie die Innovation des Produktes HeliaFilm®?

Frank Starrmann: Der leichte und flexible HeliaFilm® kann aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften dort Solarstrom erzeugen, wo herkömmliche Photovoltaik nicht eingesetzt werden kann, z.B. integriert in Gebäudefassaden. So werden aus Gebäuden grüne Energieerzeuger.
Ich fände es wünschenswert, wenn HeliaFilm® dabei helfen kann, den steigenden Energiehunger der Welt direkt dort zu decken, wo er anfällt. Bei den Eigentümern und Mietern in den Städten und auf dem Land, erneuerbar, dezentral, verbrauchsnah.

Warum hat sich Innogy Venture Capital im Jahr 2009 für eine Investition mit Wagniskapital in Heliatek entschieden?

Heliatek erforschte eine einzigartige Technologie mit dem Potenzial, eine Reihe ganz neuer Anwendungen für die solare Energieerzeugung zu erschließen - weltweit geschützt durch mehrere Patenfamilien.

Die Solarfolie versprach, bei entsprechender Verbreitung und Economies-of-Scale in der Produktion, sogar preiswerter als die konventionelle Photovoltaik werden zu können. Heute erreicht Heliatek einen Materialeinsatz von lediglich einem Gramm pro Quadratmeter Solarfolie in der Kleinserie.

Aktuell wird die Folie in mehreren Pilotprojekten getestet. Welches Projekt gefällt Ihnen besonders gut? Warum?

Die Installation der Folie auf einer Traglufthalle in Berlin, da hier ganz deutlich der Vorteil der Folie als Leichtgewicht demonstriert wird. Eine Zelthülle als solarer Stromerzeuger. Das finde ich großartig.

Worin zeichnet sich das Unternehmen Heliatek für Sie persönlich aus? Was macht es besonders?

Mich fasziniert, dass die Solarfolie ein absolutes High-Tech Produkt „Made in Germany“ ist, das der solaren Energieerzeugung völlig neue Anwendungsfelder erschließt. Außerdem begeistert mich das diversifizierte und leidenschaftliche Managementteam.

Organische Rekordzelle

Heliatek hat die Effizienz seiner Solarzellen auf 13,2 Prozent erhöht. Die neue Zelle besteht aus drei Absorberschichten.
Die Rekordzelle besteht aus drei Absorberschichten und erreicht eine Effizienz von 13,2 Prozent.

„Als Leichtgewicht im Vorteil“

Im Februar 2016 stellte das junge Unternehmen eine organische „Rekordzelle“ vor: Mit diesem neuen Produkt wird die Effizienz von organischen Solarzellen auf 13,2 Prozent erhöht. Damit verbessert Heliatek seinen eigenen Rekord 2013 um 1,2 Prozentpunkte. Im Vergleich zu herkömmlichen Photovoltaik-Anlagen klingt das gering. Für den jungen Bereich der organischen Photovoltaik (OPV) bedeutet es einen Meileinstein in puncto Leistungsstärke.

Die flexible Solarfolie kann auf völlig neuen Gebieten eingesetzt werden. Sie lässt sich beispielsweise auch in geschwungene Formen integrieren. Gemeinsam mit dem Autozulieferer Webasto entwickelt Heliatek derzeit den Prototypen eines solar-aktiven Autodach-Systems.

Es dreht sich – rasant vorwärts

Windpark der Superlative