Umspannwerk Vierbaum

Technische Revolution in Rheinberg

Technische Revolution durch trockene Luft

Rein äußerlich wirkt die Schaltanlage am Rande des Umspannwerks Vierbaum recht unspektakulär: ein silberner Kasten in der Größe eines Kühlschranks, ein Knopf hier, eine Anzeige dort, mehr nicht.

Doch im Inneren der Anlage in Rheinberg am Niederrhein steckt eine Neuerung, die eine technischen Revolution für sämtliche Schaltanlagen in der Mittelspannung sein könnte: Luft. Präziser „komprimierte technische (synthetische) Luft“, wie unsere Experten von innogy und Westnetz sagen.

Was ist an Luft so ungewöhnlich?

Der Status quo

In Schaltanlagen, über die in Umspannwerken der Strom verteilt wird, befindet sich gemeinhin das Isoliergas SF6, also Schwefelhexafluorid. 
Das tut seine Dienste seit Jahrzehnten gut. 

Das Problem

Schwefelhexafluorid hat aber bei Austritt in die Atmosphäre einen großen Nachteil: Kein Gas gilt als schädlicher fürs Klima, SF6 ist das Treibhausgas schlechthin.
Ein Kilogramm davon entspricht in seinen Auswirkungen rund 23.000 Kilogramm CO2.

Die Herausforderung

Gelänge es nun, SF6 auf Dauer durch  Luft zu ersetzen, wäre das Problem gelöst. Dachten sich die Ingenieure des Berliner Start-up-Unternehmens nuventura, gingen auf die Kollegen von innogy und Westnetz zu und trafen dort auf offene Ohren.

Die Lösung

Ergebnis der Gespräche ist nun der Prototyp im Umspannwerk Vierbaum, der bis Ende August 2019 getestet wird. 

nuventura liefert die innovative Technologie, wohlgemerkt als erstes und einziges Unternehmen weltweit, innogy und Westnetz unterstützen mit ihrem umfangreichen Know-how zu Installation und Betrieb solcher Anlagen.

Das Ziel ist bewusst ambitioniert, wie Westnetz-Projektleiter Bastian Wölke betont: „Wenn die Pilotphase erfolgreich verläuft und wir den Prototypen anschließend gemeinsam mit nuventura noch weiterentwickeln, kann damit ein flächendeckender und marktweiter Technologiewechsel einsetzen. Dieses Projekt ist wirklich nachhaltig.“

Wenn es uns gelingt, SF6 in der Mittelspannung und später auch in der Hochspannung zu ersetzen, leisten wir einen echten Beitrag zum Klimaschutz.
nuventura-Geschäftsführer Manjunath Ramesh

Der Pilotbetrieb in Rheinberg hat aber noch eine zweite Versuchsebene:
Das Team testet innovative und kostengünstige Sensorik, um das Schaltfeld smart zu machen. „Die Sensorik überwacht den Zustand der Komponenten innerhalb der Schaltanlage, die von außen nicht einzusehen sind. Wir können etwa den Bedarf an Reparaturen viel schneller erkennen, der Eingriff ins System verläuft einfacher“, erklärt Wölke.
Netzbetrieb und Instandhaltung werden dadurch effizienter. 

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